Wo bleibt die Kreativität?

Gemeinsam mit Ihnen haben wir uns auf die Suche begeben.

Bei der ersten C.I.A – am Mittwoch, dem 13. September 2017.

 

Im Marketing werden Daten und Algorithmen immer wichtiger. Wo bleibt da die Kreativität? Das fragen sich immer öfter die Marketing-Entscheider und Kommunikations-Profis.

Um dieses Thema in einer bunten Runde von Kreativen, Entscheidern und Analysten zu diskutieren, lud die Innovationsagentur INNCH zu einer Veranstaltung in das Kölner Atelierhaus Quartier am Hafen ein: „C.I.A. – Cologne Inspiration im Atelier“.

 

Während tagsüber die Menschenmassen sich durch die Hallen der Online-Marketing-Messe DMEXCO drängten, trafen sich in einem künstlerischen Ambiente rund 40 Teilnehmer, um den Begriff Kreativität aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Moderiert wurde der Event von Michael Schütz, Gründer von INNCH und Dirk Engel, unabhängiger Markt- und Mediaforscher aus Frankfurt am Main.

Neue Veranstaltungsreihe an der Schnittstelle von Business und Kunst

Der Abend war der Auftakt für eine Veranstaltungs-Reihe, bei der INNCH den Dialog zwischen Marketing, psychologischer Marktforschung und Kunst-und Kulturschaffenden fördern will. Dabei wollen die Veranstalter bewusst den Horizont des Marketings und der Marktforschung erweitern und sich Themen widmen, die in der Disziplin häufig vernachlässigt werden. Bei der Auftaktveranstaltung war dies die Erforschung von kreativen Prozessen, nicht nur in Marketing und Werbung, sondern in allen Bereichen, in denen es auf Geistesblitze ankommt.

Die Teilnehmer kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Marketing-Entscheider, Architekten, Marktforscher, Werber, Filmemacher, Künstler, PR-Leute und Professoren und Studierende von Hochschulen.

 

 

Der Geistesblitz und wie er in die Welt kommt

In ihrem Impuls-Vortrag erläuterte Monika Heimann, Mit-Gründerin von INNCH und Absolventin der Düsseldorfer Kunstakademie, was Kreativität im Arbeitsalltag ausmacht. Gemeinsam mit dem Publikum wurde eine kleine kreative Aufgabe gelöst: Die Zuhörer dachten sich spontan konkrete Gegenstände für Fantasiewörter aus. Heimann stellte dann Ergebnisse einer psychologischen Grundlagenstudie von INNCH vor, bei der Künstler, Ingenieure und Werber danach befragt wurden, wie sie auf neue Ideen kommen. Es zeigte sich, dass Kreativität mit sinnlich-gestalthaftem Denken zusammenhängt: Sinnliche Erfahrung liefert einen Assoziationsraum, in dem verschiedene Eindrücke verknüpft werden. Die Umwelt wird dann mit einer „kreativen Brille“ gesehen und neu interpretiert.

Monika Heimann (http://innch.de)

Auch der Einsatz von Skizzen und haptischen Modellen fördert das sinnliche Herausarbeiten von neuen Ideen. Visionen, Leidenschaft und Durchhaltevermögen machen dann aus einem Geistesblitz eine verwertbare Innovation. Viele der befragten Kreativen berichteten auch über Flow-Erlebnisse, also dem totalen Eintauchen in den Augenblick des Schaffens. Mit diesen Erkenntnissen lässt sich der kreative Prozess besser verstehen und gestalten, z.B. durch sinnliche Briefings und gezielte Förderung des Flows (die komplette Studie kann man hier downloaden).

 

Auf ein Kölsch
Ben Hammer (http://benhammer.de)

Ein Beispiel, wie kreative Ideen aus der Erweiterung des Alltags entstehen, stellte der Fotograf und Social-Media-Influencer Ben Hammer vor. Seine Aktion „Auf ein Kölsch“ hat in seiner Heimatstadt Köln und in den sozialen Medien viel Aufmerksamkeit bekommen. Aus der ursprünglichen Idee, lebensnahe Interviews in Kölsch-Kneipen zu führen, ist eine mehrkanalige Kunst-Aktion geworden: Aus den Interviews wurden regelrechte Happenings, die neben dem Live-Erlebnis auch eine Unmenge Geschichten und Fotos produzierten, die den Nerv der jungen Kölner trafen.

 

Das ursprüngliche Kunstprojekt wurde so gleichzeitig zu einem authentischen Content-Marketing-Konzept, bei dem die Interessen der Sponsoren und die der Zielgruppe im Einklang sind und die Kreativität der Teilnehmer aktivierte.

Nicht alles, wo „kreativ“ draufsteht, ist auch kreativ

Bei der Diskussion mit den Teilnehmern haben die Moderatoren Michael Schütz und Dirk Engel noch weitere Perspektiven auf das Thema Kreativität zutage gefördert. So wurde darüber nachgedacht, ob es neben der künstlichen Intelligenz, die im Marketing mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, es auch so etwas wie eine „künstliche Kreativität“ geben kann?

 

Auch das oft falsche Verständnis von kreativer Werbung im Sinne von Originalität und „Abweichen von der Norm“ wurde diskutiert. „Kreativität bedeutet, eine neue Lösung für ein Problem zu finden“, erläuterte Monika Heimann. Manchmal sei das Problem, ein Produkt zu verkaufen. Manchmal hat die Agentur hingegen nur die Aufgabe gelöst, einen Kreativ-Preis zu gewinnen.

 

Pointen von schräg hinten

Musikalisch und thematisch passend wurde die Veranstaltung eingerahmt von dem satirischen Singer-Songwriter Friedemann Weise, der mit seinen Songs über Burn-Out, Do-it-Yourself, Erziehung und die Weltgeschichte das Publikum unterhielt.

Kombiniert war die Veranstaltung mit einer Ausstellung des Kölner Künstlers Andreas Bausch.

 

Friedemann Weise (http://friedemannweise.de)

„Auf ein Kölsch“ ist nicht nur das Motto der Kunst-Aktion von Ben Hammer – es wurde im Anschluss des offiziellen Programms noch ganz praktisch umgesetzt, mit den letzten Gästen bis weit nach Mitternacht. Für uns war die erste C.I.A ein spannender Abend in lockerer Runde, und das vor allem Dank Ihnen: unseren netten Gästen. Wir bedanken uns ganz herzlich für Ihre Teilnahme und freuen uns schon darauf, Sie bei einem der nächsten C.I.A Events wieder zu sehen!

(alle Fotos: Jennifer Braun Photographie)